MKV vs. MP4

Lange Zeit regierte MP4 als Containerformat die Welt, wird sich dies nun endlich ändern? Kaum einer kennt die Vorteile des russischen Formats, welches den Namen der bekannten Puppen trägt.

tl;dr: Beide Formate haben ihren Charme. MKV ist neuer und die bessere Wahl: denn es kann alles das, was MP4 kann nur noch mehr. Immer mehr Software und Betriebssysteme unterstützen das Format, es kann hier und da aber Probleme auf mobilen Geräten geben.

Format, Containerformat, Videoformat, wtf?

Nun. Bevor wir mit dem Vergleich loslegen und Vor- und Nachteile auflisten müssen wir erst einmal ein paar grundlegende Dinge klären, die leider oft durcheinander geworfen werden. Denn das zu verstehen ist ein essentieller Schritt und notwendig um zu verstehen, warum MKV – meiner Meinung nach – bedeutend besser ist als MP4.

Oft denkt man bei MP4 an ein Videoformat und das stimmt bedenkt, aber: das eigentliche Format des Videos ist dabei nicht MP4 sondern zum Beispiel das verbreitete H.264 bzw. AVC oder besser gesagt MPEG-4 AVC. Oft wird hierzu leider auch x264 gesagt obwohl das technisch nicht ganz korrekt ist. Mit AVC, MPEG-4 AVC oder H.264 bezeichnet man das Videoformat. x264 hingegen ist der sogenannte Encoder, also das Stück Software was die Konvertierung in das H.264 Format durchführt. Die Dateiendung ist in aller Regel MP4 (.mp4) aber das bedeutet nicht zwingend, dass das Video auch im H.264 Format ist.

Denn: MP4 ist lediglich die Hülle, die Video und Audio beinhaltet. Deshalb nennt man das ganze auch Container oder Containerformat. Bei MKV (.mkv) Dateien ist es im übrigen genauso: MKV (Matroska) ist lediglich das Containerformat um Video und Audio unterzubringen. Das bedeutet, dass mkv Dateien ebenso ein Video im H.264 Format haben kann wie auch im neueren HEVC oder auch H.265 Format.

MKV, neuer = besser?

Und genau da beginnt der erste große Vorteil gegenüber dem MP4 Format, denn MKV kann nicht nur Video und Audio beinhalten. Es kann zusätzlich auch Untertitelspuren beinhaltet. Und noch mehr: im MKV Format sind eine unbegrenzte Anzahl an Video- und Tonspuren möglich. So kann man zum Beispiel Filme die in 32 Sprachen veröffentlicht wurden, sowohl von der Synchronisierung, als auch von den Untertiteln ohne Probleme in einer mkv Datei speichern. Mit MP4 sind zwar auch mehrere Tonspuren möglich, aber mit einigen Einschränkungen.

Das ist wohl mitunter auch ein Grund, warum bei “Rippern” das MKV Format seit Veröffentlichung immer mehr Anklang findet: zweisprachig veröffentliche Filme oder Serien mit Untertitel können so in einer Datei digitalisiert und für die Zukunft archiviert werden.

Größere Dateien

Das ist übrigens auch der Grund warum MKV Dateien auf den ersten Blick oft größer sind als MP4 Dateien und diese Größen weichen ab, je mehr Audio, Video oder Untertitelspuren vorhanden sind.

Videoformat / Encoder

Okay, wir haben nun also MP4 und MKV und wissen, wir können auch in MKV Dateien H.264 oder wahlweise auch H.265 Videos speichern. Im übrigen können in MKV Dateien dann auch Videos gespeichert werden, die mit einem der Nachfahren von H.265 kodiert sind.

Stream mitschneiden

MP4 hat aber noch einen riesigen Nachteil gegenüber MKV, der bisher nirgendswo so direkt erwähnt wurde:

Streams mitschneiden. Das funktioniert zwar mit MP4 wunderbar keine Frage aber kann unter einigen Bedingungen zu heftigen Problem führen, viele davon enden im Verlust des Materials da die Datei unbrauchbar wird. Oft kann man zwar an einigen Stellen etwas retten, braucht dafür aber teure Shareware.

Manchmal sind es die banalen Dinge:

Hängt sich zum Beispiel der Prozess weg, der den Stream mitschneidet und ihr müsst es über einen harten “kill” beenden ist die Datei erstmal unbrauchbar. Ihr müsst euch mit Fehlermeldung wie “moov not found” rumplagen und dann feststellen, dass einige “Meta-Informationen”, eben am Ende einer Datei geschrieben werden, was nur nicht mehr möglich ist, wenn der Prozess tot ist. Ja: Es gibt einen Flag der die “moov” Infos auch an den Anfang der Datei schreibt, aber das geht erst nachdem die Datei geschrieben wurde, selbes Problem.

Ein anderer Fall: Euch geht der Speicherplatz aus. Gerade wer viel mit Videodateien arbeitet wird eventuell öfter in diese Situation geraten aber es kann auch mal aus Versehen passieren. Ihr schneidet einen Stream mit und seid gar nicht anwesend. Die Platte hat nur noch 10 GB, dann 5 GB, dann 1 GB und dann 0 Byte. Platte voll, mitschneiden wird beendet. Und? Mit MP4: Datei wieder erstmal unbrauchbar, aus demselben Grund von oben. Kein mir bekannter Videoplayer konnte dann die Dateien abspielen (VLC, MPC-HC).

Das wäre im Grunde mindest einen weiteren Artikel wert, aber um es kurz zu sagen: MKV speichert Meta-Informationen und die Daten anders als MP4. Aus genau diesem Grund kann ein VLC Player oder der MPC-HC genauso wie alle anderen Player die MKV Dateien die aus welchem Grund auch immer vorzeitig beendet wurden, ganz normal abspielen. Keine teure Shareware, kein Reparieren und kein Einlesen in das Thema nötig.

Vorteile / Nachteile

MP4

Vorteile

  • Weit verbreitetes Format, auf Desktop wie auf mobilen Geräten abspielbar
  • Kleiner als MKV Dateien

Nachteile

  • Keine verlustfreien Audio-Spuren möglich
  • Einschränkungen bei Verwendung mehrerer Tonspuren
  • Bei Stream Mitschnitten verursacht es viele Probleme

MKV

Vorteile

  • Unbegrenzte Anzahl an Video-, Audio-, Untertitelspuren ohne Einschränkungen möglich
  • Alle Codecs möglich, ebenso verlustfreie Spuren
  • Speichert Informationen anders und macht daher bei Stream Mitschnitten keine Probleme

Nachteile

  • Mitunter größere Dateien als unter MP4 (hängt von einigen Faktoren ab)
  • Aktuell nicht so weit verbreitet, macht auf Mobilgeräten Probleme

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