Unitymedia / Vodafone – Gut oder schlecht?

Vorwort

Warum schreibe ich diesen Artikel? Nun das wird im Laufe des Artikels klar, denn ich bin seit 21.03.2011 Kunde bei Unitymedia gewesen und habe auch mit diesem Verein zwischenzeitlich meine Problemchen gehabt.

Auch Vodafone ist mir nicht unbekannt. In meinen sehr jungen Jahren hatte ich neben den Vodafone Prepaid Karten auch eine lange Zeit lang einen Vertrag über Vodafone und es hatte damals gute Gründe, warum ich mich gegen Vodafone entschieden hatte.

Aber Zeit vergeht und Dinge ändern sich, mehr dazu im ganzen Artikel.

Der Beginn der Reise bei Unitymedia

Am 21.03.2011 startete ich mit dem 2play 32.000 Paket in meine eigene Wohnung. Das es Kabelinternet sein muss war bereits während der Wohnungssuche klar, daher schaute ich mit meinen Eltern (da ich noch unter 18 war als ich auszog) bei jeder Wohnung was dort für eine Internetgeschwindigkeit zur Verfügung steht.

Die damaligen 32.000, heute würde man eher sagen 32 Mbit/s, waren zu dem Zeitpunkt wirklich “Highspeed-Internet”, so wie Unitymedia dies immer behauptete.

Vertragswechsel über die Zeit

Auch das Kabelnetz entwickelte sich weiter, sowohl von der Technologie, als auch die Kabelanbieter, die das Netz nach und nach modernisierten. Die nächsten Vertragsunterlagen die ich gefunden habe stammen aus November 2014 mit einem 3play PREMIUM 200. Ich kann mich zudem erinnern, auch hier finde ich aktuell die Unterlagen nicht, dass ich nach einiger Zeit zu diesem Paket eine Zusatzoption buchen konnte, mit der aus 200 dann 250 Mbit/s wurden. Später kam dann der Power-Upload dazu, der die Upload-Rate anstiegen lässt.

Ich schaute dann mittlerweile 2-4 mal im Jahr ob es neue Angebote gab, denn: Brachte Unitymedia neue Tarife raus hat man für dasselbe Geld deutlich mehr bekommen, meistens im Bereich Download-Geschwindigkeit im Internet. So zahlte ich nie mehr, hatte aber im Laufe der Zeit 200, 250, 400 Mbit/s im Download.

Treuer Unitymedia-Kunde?

Der Jahreswechsel 2018-2019 brachte mir dann einen neuen Tarif der sich Treueplus 3play 400 nannte und quasi einfach der vorherige 3play 400 Tarif war, nur zum selben Preis, da dieser Preis angehoben wurde.

Probleme Internet-Geschwindigkeit bei Unitymedia

Natürlich kam es wie es kommen musste. Ich versuchte hin und wieder eine Geschwindigkeitsmessung zu machen, aber sobald man für 2-3 Monate keine Probleme feststellte ist man nachlässig geworden und es wird einem nicht gedankt. Obwohl ich all die Jahre seit 2011 meistens etwas mehr an Geschwindigkeit hatte laut Vertrag – was an der Provisionierung liegt und normal ist – gab es ab einem Zeitpunkt bei dem 3play 400 Paket irgendwann Probleme.

Ich kann mich noch erinnern das Netflix zu dieser Zeit noch bei uns in Deutschland neu war und immer stärker gewachsen war und beliebter wurde und auch viele Amazon Prime Video starteten. So kam es, dass immer ab 20 Uhr die Leitung im Download-Speed zusammenbrach. Kurz danach war dies schon um 19 Uhr und dann um 18 Uhr und zum Schluss schon um 17 Uhr.

Nach langem Hin und Her und gefühlten tausenden Terminen mit dem zum Schluss Stamm-Techniker von einem Subunternehmen von Unitymedia musste Unitymedia das Problem am Ende doch zugeben und sich entschuldigen. Nachdem immer wieder behauptet war, dass dies nicht an der Infrastruktur von Unitymedia liegen könne, mein Router mehrmals getauscht wurde (ich hatte von Anfang an die Fritz!Box, weil die Horizon Box eh nur Probleme machte), die Dosen in der Wohnung getauscht wurden und und und… Hat Unitymedia es endlich zugegeben.

Der Techniker musste mittlerweile auch schon über Unitymedia lachen und hat sich wirklich engagiert. Aber was waren die Probleme? Nun. Zum einen war das Problem, dass Unitymedia mir mitteilte die Messungen die ihre Techniker vorgenommen hatten seien alle ok. Auf Nachfrage hieß es aber auch immer, es wurde zwischen 8-12 Uhr gemessen. Ja natürlich sind da die Messwerte okay, so doof kann man doch gar nicht sein dachte ich. Irgendwann ging dem Techniker das ganze Thema mittlerweile genauso an die Nieren wie mir und er fand es ebenso ungerecht, dass er sich selbst eine Nachtschicht gegeben hat und einmal zu einem Termin abends zum Messen kam. Und siehe da! Die Geschwindigkeit der Leitung war wortwörtlich wirklich fast tot. Egal wo er gemessen hat. In der Wohnung, im Keller, am Verteilerkasten.

Letztendlich war das Problem, dass zu viele Haushalte an demselben Node angeschlossen waren wie ich mit einer Zahl von etwa 200 war das für diesen Node too much.

Insgesamt zog sich dieses ganze Dilemma über ca. 6 Monate. Zum Schluss hat Unitymedia die Kabel in einigen Straßen in Witten gekauft, eben auch da wo ich wohne und sowohl die Hausanschlüsse modernisiert, als auch einen weiteren Node hinzugefügt. Seit diesem Tag rennt das Internet tagtäglich ohne Probleme (mal abgesehen von 1-2 kurzen Ausfällen).

Ja, toll. Aber ist Vodafone jetzt gut oder schlecht?

Ich hab es am Anfang nicht nur skeptisch betrachtet sondern gegen Vodafone geschimpft und mich aufgeregt. Und warum ist ganz einfach. Vodafone hat versprochen, dass die Marke Unitymedia erst einmal erhalten bleibt und sich nichts ändert. Dieses Versprechen hat nicht lange gehalten und das Unitymedia über “mittel- bis langfristig” (so hieß es damals) verschwinden sollte als Marke verstehe ich mehr als nur wenige Monate bis ein Jahr. Da ich mit Vodafone viele schlechte Erfahrungen beim Mobilfunk machen musste wollte ich zum Verrecken nicht, dass Vodafone offiziell als Firma agiert statt Unitymedia.

Aber es kam wie es kommen musste. Der 17.02.2020 und dann noch ausgerechnet ein Montag. Und? Es war der Beste Montag seit langem. Da von diesem Zeitpunkt an offiziell alles Vodafone war und Unitymedia verschwunden war blieb mir keine Wahl und ich war ab sofort Vodafone-Kunde. Ohnehin gibt es hier keinen anderen schnellen Internetanbieter, zumal das Kabel nun Vodafone gehört. Allerdings kam gleichzeitig auch das versprochene Angebot der CableMax 1000 Tarif heraus. Womit ich nicht gerechnet hatte: das mit der vollständigen Fusion für weitere 5,5 Millionen Haushalte (laut Angaben von Vodafone) Gigabit-Internet zur Verfügung steht und das mit sofortiger Wirkung.

Unitymedia schaffte es leider all die Jahre nicht auch nur irgendein Upgrade schnell durchzuführen, alles dauerte Jahre und nichts ging mehr voran. Nach dem 3play 400 passierte nichts mehr. Bochum war schon lange zur ersten Gigabit-City von Unitymedia ausgebaut (ich wohne nahe der Grenze zu Bochum-Langendreer) und bei uns war nichts in Sicht. Alles ging nur schleichend voran. Selbst meine Fritz!Box 6490 durfte ich nicht einmal durch eine 6591 tauschen lassen, selbst wenn ich bei meinem 3play 400 geblieben wäre. Armselig.

Und nun ging alles ganz schnell. An meiner jetzigen und zukünftigen Adresse gibt es Gigabit-Internet von Vodafone, kurz vorher durfte ich von Vodafone schon bei meinem 3play 400 die Fritz!Box tauschen lassen für einmalig 30€ Servicepauschale und ich war glücklich. Nun mit Gigabit-Internet bin ich noch glücklicher.

Ist denn das jetzt was gutes, oder nicht?

Eigentlich stimme ich der Telekom und Netcologne zu, wobei die Telekom heuchlerisch ist. Sie selber war jahrelang ein Monopol und wollte es immer bleiben, deren Beweggründe über eine Klage von Vodafone sind also eigentlich nicht akzeptabel. Netcologne hingegen ist ein kleiner Anbieter der auch viel außerhalb von Köln ausbaut, eben dort wo sich niemand drum schert. Wenn einer über Vodafone als großen Player und zukünftiges Monopol schimpfen darf, dann Netcologne.

ABER:

Man muss sagen das Vodafone nun in der kurzen Zeit mehr geschafft hat als Unitymedia in den letzten 5 Jahren und: das zu einem unschlagbaren Preis (zumindest im Moment). Am Ende zahl ich mit dem Umzug zu dem neuen Tarif – alles andere bleibt wie es ist – 2€ mehr im Monat. Dafür habe ich dann statt 400 Mbit/s seit dem 17. bzw. 18.02.2020 1000 Mbit/s im Download und statt 40 Mbit/s nun 50 Mbit/s im Upload. Ich glaube da sind 2€ völlig ok. Selbst wenn die 1000 Mbit/s nicht zu 100% reinkommen – Schwankungen können ja normal sein – würde mich das nicht stören, zumindest nicht für eine “mittelfristige” Zeit. Denn es ist dennoch mehr als ich gedacht hätte und mehr als man von Unitymedia hätte erwarten können.

Die Argumentation von Netcologne und Telekom sind damit völlig hinfällig, denn: die EU-Komission hat die Fusionierung bzw. Übernahme nur gebilligt, weil Vodafone dafür im Gegenzug einige Zusagen vertraglich machen musste. Darunter: Eine faire bzw. bessere Preis/Leistungsgestaltung. Heißt: sie dürfen nicht horrende Preise nehmen und müssen im Sinne des Verbrauchers agieren. Das ist aber nur ein Punkt auf der Liste.

Und sind wir doch mal ehrlich. Die wenigstens Haushalte brauchen eine Gigabit-Leitung, denn selbst wenn man einen 4K-Stream schaut (eigentlich ja dann UHD) benötigt man nur je nach z.B. auch Ton-Qualität maximal zwischen 25-50 Mbit/s. Bleiben also noch ca. 950 Mbit/s übrig. 20 gleichzeitige 4K Streams mit Dolby Super Duper Digital Mega Atmos übertrieben aus allen Richtungen Sound wäre damit möglich. 20! Und sofern man nicht zwei Erwachsene plus 18 Kinder/Jugendliche ist die alle gleichzeitig was eigenes gucken wollen, ist es theoretisch absolut übertrieben.

Aber, wenn ich für dasselbe Geld 1000/50 statt 400/40 bekomme, warum nicht machen? Na klar. Zumal bei mir einige Anwendungen mehr laufen, so z.B. eigene Server die am Netz hängen, Upload von Video (da helfen die 10 Mbit/s mehr im Upload deutlich), Download von ISO-Images, z.B. oder Games von heutzutage ja 100 GB.

Das bedeutet aber gleichzeitig auch, dass jetzt nun viele Haushalte Gigabit-Internet haben und was nun? Naja auch wenn sich in der IT viele Dinge schnell entwickeln, einige davon auch exponentiell glaube ich nicht das nun noch viel mehr passieren wird. Die einzige Änderung die ich im Kabel-Internet noch erwarte über die nächsten 5 Jahre ist, dass wir mehr zu einer symmetrischen Leitung gehen, heißt: Upload = Download. Das wären dann 1000 Mbit/s im Download und 1000 Mbit/s im Upload. Oder vlt. auch einfach 1000 Mbit/s im Download und 500 Mbit/s im Upload. Denn: Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es immer mehr Influencer und Leute die Content auf YouTube hochladen, Videos auf Instagram posten. Die Kameras in Smartphones werden immer besser, 8K ist langsam im Vormarsch und Livestreams werden auch immer beliebter. Und hierfür braucht man nun mal viel Upload, nicht Download. Und das alles bedeutet wiederum auch, wir haben aktuell die Preise bei Vodafone bei 40€ für Gigabit-Internet (TV extra, einige andere Sachen auch noch extra). Vodafone kann in drei Monaten für denselben Tarif nicht 100€ verlangen, daher wird der Preis relativ stabil bleiben, wobei ich vermute ein Anstieg auf ca. 70€ wäre zukünftig auch noch vorstellbar.

Fazit

Leider waren die Vodafone-Mitarbeiter (also die Unitymedia-Mitarbeiter mit neuem Namen) zuerst unfähig meine Leitung umzustellen. 1x wurde es vergessen, dann wurde eingetragen Kunde wünscht Umstellung nach Umzug obwohl es definitiv SOFORT passieren sollte (wegen dem Angebot) und der dritte hat es dann geschafft!

Ich hab die neue Fritz!Box 6591 die echt super ist und sind wir mal ehrlich. Die 6490 war auch gut, aber mittlerweile eben auch schon viele viele Jahre alt. Und zumindest für die Gigabit-Verbindung braucht man sowieso die 6591.

Die Preise werden sich nicht erhöhen: Vodafone ist an einen Vertrag mit der EU-Komission gebunden, daher werden für Consumer die Preise relativ stabil bleiben. Ja: Gegenspieler gibt es nicht mehr große aber sind wir mal ehrlich: Auch wo Vodafone und Unitymedia getrennt waren und auch wo es Kabel Deutschland und Kabel BW noch gab hatten alle nahezu dieselben Preise und bei Unitymedia ist nichts plötzlich 50% billiger geworden, weil ein anderer es angeboten hat. Auch nicht 20% und auch nicht 10%. Jeder Anbieter hat sowieso schon die Preise diktiert.

Man kann die Diskussion unendlich lang fortführen und viele weitere Argumente finden um die Argumente von Telekom und Netcologne zu entkräften. Tatsache ist: Ich bin ein Consumer und für mich hat der Wechsel zu Vodafone, wenn auch gezwungen, das gebracht womit ich niemals mehr gerechnet hätte: Gigabit-Internet!

Das einzige was jetzt noch fehlt. 5G. Oder lieber erst einmal 4G?

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